Frisches Raumklima für Mies van der Rohes Nationalgalerie
Kiefer Klimatechnik in der Neuen Nationalgalerie Berlin
Die Neue Nationalgalerie in Berlin – ein bedeutender Teil der Architekturgeschichte, geschaffen von Mies van der Rohe. Seit 2016 sanierte ein Team von David Chipperfield Architects im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung das Museum am Berliner Kulturforum denkmalgerecht. Die Haustechnik und insbesondere die Lüftungs-und Klimatechnik wurden komplett erneuert. Inzwischen fand die Schlüsselübergabe statt und die „Ikone der Moderne“ erstrahlt wieder in neuem beziehungsweise altem Glanz.
Bild 1: Die Neue Nationalgalerie in Berlin wurde von 2015 bis 2021 saniert und modernisiert
1961 im Berlin der Nachkriegszeit: Ludwig Mies van der Rohe wird mit dem Bau eines Ausstellungshauses beauftragt. Er schafft ein architektonisches Meisterwerk, einen Tempel der Moderne basierend auf der Idee des Universalraumes: Die große stützenlose Eingangshalle ist rundherum von Glasfronten umgeben (Bild 1) und beruht auf dem nicht ausgeführten Entwurf für das Bacardi-Hauptgebäude in Santiago de Cuba. Lediglich je zwei Seitenpfeiler tragen das 1.260 Tonnen schwere Stahldach, was die klare Architektur der klassischen Moderne besonders betont.
Das größere und teilweise fensterlose Untergeschoss ist im Vergleich dazu ein Kontrast. Während in der oberen Halle überwiegend die Materialen Stahl, Glas, Granit und Marmor vorherrschen, setzte Mies van der Rohe in der unteren Ebene, dem Sockelgeschoss, auf die Ausstattung mit Teppichboden und Raufasertapete. Hier befinden sich die Ausstellungsräume in denen bisher überwiegend die Museumssammlung präsentiert wurde sowie ein angrenzender Skulpturengarten und die Verwaltungsbüros.
Die Neue Nationalgalerie ist Mies van der Rohes einziges Gebäude in Europa seit seiner Emigration in die USA. Er konnte an der Eröffnung im Jahr 1968 krankheitsbedingt nicht mehr teilnehmen und verstarb ein Jahr später. 1995 wird das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.
Sanierung und Modernisierung so unsichtbar wie möglich
Bild 2: Die große Tempelhalle sieht nach der Sanierung aus wie zur Eröffnung 1968, dabei wurde sie u. a. mit modernster Lüftungs- und Klimatechnik ausgestattet Bilder 1-2: Thomas Bruns, BBR
So eindrucksvoll das Bauwerk auch ist – die gewagte Stahl-Glas-Konstruktion hatte von Beginn an ihre Schwächen: Vor allem das Kondensat an der unge-dämmten Glasfassade sowie die daraus entstandenen Korrosionsschäden an der Fassadenkonstruktion und die durch fehlende Dehnungsfugen zerbrechenden Glasscheiben bereiteten schon nach kurzer Zeit wiederkehrende Probleme.
Nach über 50 Jahren intensiver Nutzung war eine Grundinstandsetzung unausweichlich. Auch die gesamte Haustechnik hatte das Ende ihrer Lebens-zeit erreicht und musste ausgetauscht werden.
Den Auftrag für die Sanierung erhielt das Büro David Chipperfield Architects. Die Architekten sind dabei äußerst behutsam und mit großem Respekt vorgegangen – die Leitidee war: Maximaler Substanz-erhalt und minimale visuelle Beein-trächtigungen am Bauwerk oder „so viel Mies wie möglich“. Hierfür wurden beinahe alle Objekte akribisch demontiert, eingelagert, restauriert oder rekonstruiert und anschließend wieder zusammengesetzt. So geschehen zum Beispiel mit den Granit–Bodenplatten der großen Eingangshalle (Bild 2). Darunter befindet sich nun die neue Flächenheizung und -kühlung.
Bild 3: Um die Probleme mit dem Kondenswasser an den nicht gedämmten Fensterfronten auf ein Minimum zu reduzieren, führte man Rauchversuche in der 8,40 m hohen Eingangshalle durch
Gerade der Austausch der Lüftungs- und Klimatechnik benötigte im Vorfeld eine detaillierte Planung. Denn Ausstellungsräume unterliegen strengen konservatorischen Anforderungen, unter anderem muss ein stabiles Raumklima gewährleistet sein, um die Kunstwerke zu schützen. Dabei unterscheiden sich die beiden Bereiche des Museums erheblich voneinander. Das Fehlen einer Dämmung an der Außenfassade der großen Ausstellungshalle führte zu einem Beschlagen und folglich zu Kondensatbildung an den Glasflächen. Dies verursachte wiederum Schäden und Korrosion an der Fassade.
Aus Denkmalschutzgründen war die Erneuerung der großformatigen Glasscheiben durch Mehrscheiben-Isolierglas keine Option. Stattdessen wird die neue Belüftungstechnik künftig weitestgehend verhindern, dass die Glasscheiben beschlagen. Hierfür wurden vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen Simulationen der Luftströme und Rauchversuche vor Ort als Parameterstudie durchgeführt (Bild 3). Es galt herauszufinden, wie eine Abschirmung der Fassade und die Vermeidung von Kondensat in der 8,40 m hohen Ausstellungshalle umgesetzt werden kann, damit alle internationalen klimatischen Standards eingehalten werden.
Sonderausführungen für die ideale Belüftung im Sockelgeschoss
Bild 4: Die neuen Luftauslässe fertigte Kiefer in einem Sondermaß. So integrieren sie sich perfekt in die neue Unterdecke
In den Ausstellungsbereichen im Untergeschoss gelten strengere konservatorische Anforderungen: Bei einer Raumhöhe von 4 m müssen bis zu einem Hängebereich von 3 m Höhe Vorgaben zu Raumluftgeschwindigkeiten eingehalten werden. Eine weitere erschwerende Forderung war der Erhalt von Bestandslochblechen als Vorgabe des Denkmalschutzes.
Diese überdecken den eigentlichen Luftdurchlass und beeinflussen somit das Ausblasverhalten. Im Zuge der Planung führte Kiefer hierzu in seinem Strömungslabor Versuche durch, um die Anforderungen des Denkmalschutzes mit den konservatorischen Vorgaben in Einklang zu bringen.
Bild 5: Frontblende mit Sonderumbughöhe Bilder 3-5: Kiefer Klimatechnik
Die bisherige Decke im Untergeschoss stellte für damalige Verhältnisse eine bis dahin in Deutschland unbekannte Systemdecke dar. Das in den USA bereits eingeführte System war Grundlage der Idee Mies van der Rohes von einem flexiblen Grundriss der Ausstellungs-räume. Im Nachkriegsdeutschland konnte diese Unterdecke jedoch nur annähernd nachgebaut werden. Im Zuge der Generalsanierung entfernte man diesen Nachbau aus Kanthölzern und Spanplatten und rekonstruierte sie durch eine neue Moduldecke (Bild 4) im gleichen Erscheinungsbild.
Hinter den 60 x 60 cm großen Modulen versteckt sich der Kiefer Deckenluftdurchlass Indulclip. Das Stuttgarter Unternehmen fertigte die Frontblenden und die rückseitigen Luftverteilkästen mit Sonderabmessungen.
Die Frontblende (Bild 5) hat eine Sonderumbughöhe mit 16 Durchgangsbohrungen bzw. Ausparungen an der Frontplatte und dem Luftverteilkasten, damit die Befestigungspunkte für die bestehende Dekor-Lochblende freigehalten werden, Filigran und sehr aufwendig erfolgte die Befestigung dieser unterschiedlichen Bauteile inklusive Dekorlochblech, um wie gewünscht die Lüftungstechnik unsichtbar in die Moduldecke (Bild 6) zu integrieren.
Die Clipelemente von Kiefer ermöglichen eine sehr hohe Induktion, wodurch große Temperaturunterschiede von bis zu -12 K zwischen Zu- und Raumluft sehr schnell abgebaut werden. Somit erreicht man eine zugfreie Luftverteilung und hält die Raumtemperatur in einem für Besucher und Objekte optimalen Wohlfühlklima. Im Sommer 2021 wird die Neue Nationalgalerie mit einer neuen Ausstellung wiedereröffnet.
Bild 6: Sockelgeschoss mit rekonstruierter Moduldecke Bild: Thomas Bruns, BBR
Bautafel
Objekt: Neue Nationalgalerie Berlin
Bauherr: Stiftung Preußischer Kulturbesitz vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin
Fachplaner TGA: W33 mit Domann Beratende Ingenieure GmbH
Architekt: David Chipperfield Architects Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Zeitraum: 2016 – 2021
Produkte: Decken-Luftdurchlass Indulclip von Kiefer Klimatechnik, Stuttgart
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